
Auch hier Vertrautes und Neues: Sofi Oksanen war gewohnt sperrig und schräg und bemerkte angesichts des zu Beginn des Interviews eingespielten 3SAT-Beitrags bissig, dass Finnland nicht nur aus Lappland und Helsinki bestünde und dass auch nicht überall im Land Rentiere herumliefen. Bei aller Vielfalt wurden die Finnland-Klischees ohnehin allerorten gepflegt, obwohl sich die wenigsten Autoren mit dem Weihnachtsmann oder den Polarkreis beschäftigten.
Chefsatiriker Tuomas Kyrö gab sich unerwartet schüchtern für einen Mann, der in seinem neuen Buch eine Atombombe auf Schweden fallen lässt. Nach "Bettler und Hase" erzählt er in "Kunkku" die Geschichte vom König, der nach Abschaffung der Monarchie im Baumarkt arbeitet: Mal sehen, ob er dabei Sue Townshends thematisch ähnlich gelagertem und eigentlich unübertrefflichem "The Queen and I" das Wasser reichen kann.
Die Krimis rund um die Polizistin Maria Kallio von Leena Lehtolainen hatten mich bisher nicht vorbehaltlos begeistert. Dafür begeisterte mich aber die Autorin im Gespräch mit Roman Schatz mit ihrer Schlagfertigkeit und ihrem Humor - jemand, der Musik von Bach bis zu den Toten Hosen hört und Laphroaig trinkt (und, wie hier beim Signieren, mein schlechtes Finnisch versteht), kann außerdem kein schlechter Mensch sein.



Eine ganz neue Entdeckung war hingegen die Kinderbuchautorin Siri Kolu (die zweite Punksängerin unter den versammelten Autorinnen). Ihre Geschichten über Vilja, die von Räubern entführt wird und bei ihnen ein ganz anderes Leben kennen lernt als in ihrer Alltagsfamilie, klangen spannend antikapitalistisch und mehr als ein bisschen nach Pippi-Langstrumpf-Anarchie. Sie las einige Seiten aus Band 3 auf Finnisch vor - herrlich pointiert und dramatisch, und so deutlich, dass selbst ich ein bisschen was davon verstand. Von daher steht schon fest: Meine Nichte bekommt zu Weihnachten die deutschen Bücher, ich kaufe mir die finnischen Originale.